Industriekletterei

Industriekletterei

Industriekletterer sind Arbeiter, die in großer Höhe Arbeiten ohne Gerüst verrichten (Höhenarbeit). Industriekletterer ist kein anerkannter Beruf, folgt aber internationalen Richtlinien. In Österreich, in Deutschland ist es eine notwendige Zusatzausbildung für die Zertifizierung als Höhenarbeiter bzw. Höhenfachkraft.

Industriekletterer arbeiten im allgemeinen nicht von unten nach oben am Gerüst o.ä., sondern seilen sich ab, um dann am Seil hängend bzw. daran gesichert zu arbeiten.Erfunden wurde die Industriekletterei vor rund 35 Jahren in Englend Etwa 10–15 Jahre später wurde diese Technik auch in der DDR eingesetzt. Damals waren viele Plattenbauten stark sanierungsbedürftig, da der Beton undicht wurde und Kälte und Nässe durchließ. Da Gerüste oder Hebebühnen Mangelware waren, kletterten Hobbyalpinisten selbst an die Fassaden und reparierten sie, ohne ein Gerüst, Hebebühne oder Kran zu benötigen. Nach der Wiedervereinigung wurde die Industriekletterei in ihrer Entwicklung gestoppt, da diese Form der Bauarbeit vom Arbeitsschutz nicht anerkannt war. Erst 1995 wurde in Deutschland der Fach- und Interessenverband für seilunterstützte Arbeitstechniken, kurz FISAT[2] gegründet. Der Verband bringt ein Expertengremium aus Industrie, Wirtschaft, Höhenrettung und Unfallversicherungsträgern zusammen, um gegen die Bestrebungen der Berufsgenossenschaften mobil zu machen, die das Arbeitsverfahren in Deutschland verbieten wollen.

Im selben Jahr etablierten die Künstler Christo und Jeanne-Claude die Industriekletterei in Europa weiter, indem ihr Mitarbeiter Bodo Senkel eine Sondergenehmigung für den Einsatz von Industriekletterern bei der Verhüllung des Reichstags erwirkte. Einen endgültigen Platz in der Bausparte Deutschlands erreichten die Industriekletterer 1997, als der FISAT Richtlinien zur Ausbildung und Sicherheit herausgab und damit die letzten Bedenken in den Ämtern zerstreute. Seit 1997 können Industriekletterer eine anerkannte Ausbildung machen, die unter Beweis stellt, dass sie verantwortlich auf Baustellen agieren und weder sich noch andere gefährden.